Zusammenfassung
Sensation in Geraberg
Was für ein Abend, was für ein Spiel, was für eine Moral! Die 2. Herrenmannschaft des Schmalkalder VV hat am letzten Auswärtsspieltag der Saison ein echtes Ausrufezeichen gesetzt und das unter denkbar schwierigen Voraussetzungen. Gleich neun Spieler fehlten verletzungs- oder krankheitsbedingt. Mit einem Rumpfkader von gerade einmal acht Akteuren reiste das Team um Spielertrainer Micha Henke zum Tabellenzweiten nach Geraberg. Und als wäre das nicht schon Herausforderung genug, stellte sich Henke kurzerhand selbst als Libero aufs Feld. Was folgte, war ein Volleyball-Krimi über 125 Minuten, der allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.
Zunächst schien alles nach Plan für die Gastgeber zu laufen. Geraberg startete dominant, nutzte die hohe Eigenfehlerquote der Schmalkalder konsequent aus und zog früh davon (5:10, 11:17). Während die Hausherren munter durchwechselten und allen 13 Spielern Einsatzzeit gewährten, kämpften sich die Gäste Punkt für Punkt zurück ins Spiel. Beim Stand von 19:24 im ersten Satz schien der Durchgang bereits entschieden. Doch dann begann eine spektakuläre Aufholjagd. Kapitän Jonas Schirrmeister übernahm Verantwortung am Aufschlag, während Niclas Rothamel und Moritz Hoffmann am Netz kompromisslos vollendeten. Mit beeindruckender Willensstärke glich Schmalkalden zum 24:24 aus und setzte noch einen drauf. Mit 27:25 sicherten sich die Gäste tatsächlich den Satzgewinn und schockten den Favoriten.
Im zweiten Satz entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel auf Augenhöhe. Schmalkalden war nun voll im Wettkampfmodus angekommen, musste sich jedoch knapp mit 22:25 geschlagen geben. Doch die Antwort folgte prompt. Mit druckvollen Aufschlägen und konsequentem Angriffsspiel, allen voran Hoffmann am Netz, dominierte der SVV den dritten Satz und gewann deutlich mit 25:15.
Dann jedoch der nächste Rückschlag. Zuspieler Leo Zickler verletzte sich an der Hand. Erneut war Improvisation gefragt. Schirrmeister übernahm die Zuspielposition, wodurch die gewohnten Abläufe ins Wanken gerieten. Der vierte Satz ging klar mit 13:25 verloren.
Doch wer glaubte, die Schmalkalder seien nun am Ende ihrer Kräfte, sah sich getäuscht. Im entscheidenden Tiebreak bewies Spielertrainer Henke erneut ein goldenes Händchen. Rothamel und Hoffmann wurden diagonal auf Außen positioniert, Zickler kehrte als Blocker zurück. Die Maßnahme griff sofort. Schmalkalden überraschte den Gegner und führte beim Seitenwechsel mit 8:6. Doch Nervenflattern auf Seiten der Gäste. Gleich fünf Aufschlagfehler brachten Geraberg mit 14:11 in Front. Drei Matchbälle für den Favoriten!
Was dann folgte, war pure Dramatik. Zickler bewahrte beim Aufschlag kühlen Kopf, die Schmalkalder wehrten alle Matchbälle ab. Rothamel punktete dreimal in Serie, 14:14! Nun entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem die Führung mehrfach wechselte. Schließlich war es Moritz Hoffmann, der mit einem cleveren Linienschlag den viel umjubelten 19:17-Endstand perfekt machte. Nach dem letzten Punkt kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Die Schmalkalder Spieler lagen sich lange in den Armen. Es war ein Moment, der sinnbildlich für diesen außergewöhnlichen Teamgeist steht. Mit stark dezimiertem Kader, taktischer Flexibilität und unbändigem Willen bezwang der Schmalkalder VV II den Tabellenzweiten und lieferte eine der beeindruckendsten Leistungen der Saison.
Aufstellung Schmalkalder VV II: Nikola Dimitrov, Micha Henke, Moritz Hoffmann, Niclas Rothamel, Jonas Schirrmeister, Oliver Schmidt, Julian Wolf, Leo Zickler
